Weihnachten auf dem Friedhof

Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben.

Da stirbt wenige Wochen vor Weihnachten die Mutter.

Der Sohn trauert.

Am Heiligen Abend nach der Kirche geht er auf den Friedhof.

Er bringt der Mutter einen kleinen Tannenzweig und eine Kerze.

Den Tannenzweig legt er auf das Grab.

Kerzen sagen manchmal mehr als alle Worte es könnten.

Dann schlägt er die Bibel auf, aus der sie beide all die Jahre zu Weihnachten die Weihnachtsgeschichte gelesen haben.

Er liest die Weihnachtsgeschichte, singt der Mutter ein Weihnachtslied und zündet die Kerze an.

Dann geht er nach Hause und bereitet das Weihnachtsessen zu, das er im Gedenken an die Mutter ißt.

„Ohne den Besuch auf dem Friedhof wäre es für mich kein Weihnachten gewesen.“ sagt er später.

Kennengelernt hatten Mutter und Sohn den Brauch, nach der Kirche am Heiligen Abend auf den Friedhof zu gehen, in Finnland.

Dort ist es üblich, am Heiligen Abend mit der Familie auf den Friedhof zu gehen und den Ahnen einen kleinen Tannenzweig und eine Kerze zu bringen.

Der Brauch und seine Entstehung werden hier beschrieben.

Mich hat diese sehr persönliche Art, zur Weihnachtszeit zu trauern, sehr berührt.

„Mir hat der Besuch auf dem Friedhof geholfen, richtig Weihnachten feiern zu können.“ sagt der Mann.

Und ich verstehe das gut. Schön, wenn Menschen ihren Gefühlen so nachgehen können.

Über Norbert Deka

Lebt und arbeitet im Ruhrgebiet. Als Pfarrer einer Kirchengemeinde ist er täglich mit Fragen des Glaubens und des Lebens konfrontiert. Auf der Suche nach Antworten sammelt er hier seine Gedanken.

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