Paradise Papers oder Hell Papers?

Im November 2017 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung eine Liste von Firmen und Menschen, die über die Anwaltskanzlei Appleby viel Geld in sogenannte „Steuerparadiese“ verbracht haben.

Paradise Papers wurden die Unterlagen genannt.

Einzelheiten gibt es hier in der Wikipedia.

Ein Meisterstück guter journalistischer Arbeit.

Es sei den Journalisten gedankt.

Mich brachte die Bezeichnung „Paradise Papers“ zum Nachdenken.

Und zum „Teekesselchen“ spielen.

„Mein Teekesselchen ist eine Insel.“

„Mein Teekesselchen ist ein Ort in der Bibel.“

„In mein Teekesselchen möchten viele Menschen gern hinein.“

„In meinem Teekesselchen sind nur zwei Menschen.“

„In meinem Teekesselchen ist den Menschen egal, was gut und böse ist.“

„Aus meinem Teekesselchen sind die zwei herausgeflogen, als sie wussten, was gut und böse ist.“

So könnte man es fortsetzen. Sie ahnen es schon, es geht um´s Paradies.

 

Wer kam auf die Idee, den brisanten Unterlagen über die Steuerflucht von Firmen und reichen Personen, den Titel „Paradise Papers“ zu geben?

Denn schon die Sprache verrät eine heimliche Sympathie mit denjenigen, die „das Paradies“ erreichen. Dort möchten wir doch alle eines Tages einmal hin, oder? Wie schön, wenn ich schon heute dort leben kann. Denn dann sind gut und böse tatsächlich egal. Hauptsache, ich bin dort.

Ich plädiere dafür, die Unterlagen in „Hell Papers“ umzubenennen.

Denn im biblischen Paradies gehörte alles, was sich dort befand, allen dort lebenden Menschen. Sie sollten es nicht ausbeuten oder sich etwas auf die Seite schaffen, sondern es bebauen und bewahren. So sollte das Ganze eine gute Grundlage für ihr eigenes Leben sein und bleiben. Es handelt sich um eine frühe Definition dessen, was ein Gemeinwesen braucht, um gut zu gedeihen. Eine Art wirtschaftlicher und ökologischer Urkommunismus war die Grundlage der Besitzverhältnisse dort.

In den Steuerparadiesen dieser Erde ist das anders. Da komme ich nur hinein, wenn ich meinen Besitz gerade nicht mit anderen teilen will. Wenn mir persönlich egal ist, was aus denen wird, denen ich meinen Anteil am Gemeinwesen vorenthalte.

Als der Mensch erfuhr, was gut und böse ist, verlor er das biblische Paradies. Als er vergaß, was gut und böse ist, öffnete sich die Tür zum Steuerparadies.

Der Evangelist Matthäus beschreibt im 25. Kapitel seines Evangeliums das Weltgericht am Ende der Zeit, bei dem der Menschensohn denjenigen, die anderen ihren Anteil am Gemeinwesen vorenthalten einen Platz im ewigen Feuer an der Seite des Teufels und seiner Mitarbeiter verspricht (Matth. 25,41). Es steht zu befürchten, dass die Bewohner des Steuerparadieses ähnlich naiv wie die Angeklagten des Weltgerichts fragen: wann haben wir das denn getan?

Aber wir sollten hier auf der Erde nicht so lange warten, bis der Menschensohn mit seinem Weltgericht kommt.

Irdische Gerichte sollten die Bewohner der Steuerparadiese aus denselben vertreiben.

Denn Steuerparadiese produzieren an anderen Orten dieser Welt Armut und soziale Ungerechtigkeit. Für die Menschen, die dort leben, ist es manchmal die Hölle. Deshalb heißen die Papiere eigentlich richtig „Hell Papers“.

Meine ich jedenfalls.

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Über Norbert Deka

Lebt und arbeitet im Ruhrgebiet. Als Pfarrer einer Kirchengemeinde ist er täglich mit Fragen des Glaubens und des Lebens konfrontiert. Auf der Suche nach Antworten sammelt er hier seine Gedanken.

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