Zeit heilt alle Wunden! Wirklich?

Ich bin zur Fortbildung in Berlin.

Es geht um die Bedeutung der Kirche in der Stadt.

In einer Pause habe ich Zeit, meinem eigenen Berlin nachzugehen. Schließlich habe ich hier mal drei sehr wertvolle Jahre meines Lebens gelebt. Das ist jetzt 30 Jahre her.

Der Verlauf der Mauer an der Bernauer Strasse zwischen Strelitzer Strasse und Brunnenstrasse (Metallskulptur an der Gedenkstätte)

Ich gehe zur Bernauer Strasse. Hier grenzte die Mauer direkt an die Strasse. Es ist Jahrzehnte her, dass ich hier gewesen bin. Trotzdem erinnere ich mich genau an das Aussehen der Strasse. Je näher man der Mauer kam, desto mehr hatte man den Eindruck, die Welt sei zu Ende. Kein Putz mehr an den Häusern, alt und abgerissen sahen die Mauern und die Strasse aus. Hier brauchte man es nicht mehr schön machen, hier war die Welt sowieso zu Ende.

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Luther to go – das Lütherchen

Ich muss gestehen: als ich ihn das erste Mal im Original sah, ist mir die Luft weggeblieben. Ich wusste für einen Moment nicht, ob ich laut loslachen sollte oder mich ehrlich empören sollte.

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Freiwillig Fasten?

Man muss auf einer Feier nur das Wort aussprechen: Fasten!

Und man kann sicher sein, dass man in der nächsten Stunde in aller Ruhe zuhören kann.

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Martin Luther – hoch auf dem Sockel

Das Lutherdenkmal vor der Kaufmannskirche in Erfurt

Ich stehe davor und komme mir unglaublich klein vor:

Martin Luther als Denkmal auf dem Sockel vor der Kaufmannskirche in Erfurt.

Ich schaue zu ihm hoch und er schaut über mich hinweg. Denn sein Blick ist in den Himmel gerichtet. Die aufgeschlagene Bibel in der Hand, blickt er gottweißwo hin.  Und ich kann nur zu ihm hinaufschauen.

Zu allem Überfluss ist er noch eingezäunt, sodass ich ihn nicht einmal berühren kann. Eine Begegnung auf Augenhöhe ist nicht möglich.

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Weihnachten auf dem Friedhof

Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben.

Da stirbt wenige Wochen vor Weihnachten die Mutter.

Der Sohn trauert.

Am Heiligen Abend nach der Kirche geht er auf den Friedhof.

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Ein frustiges Quiz – Das Vaterunser in 500 Sprachen

Man kann´s auch übertreiben!

Martin Luther hat die Bibel aus dem Griechischen und Lateinischen ins Deutsche übersetzt.
Das war eine echte Leistung, aber er konnte eben auch gut griechisch und lateinisch.
Jetzt hat die Seite evangelisch.de eine Vater-Unser-Challenge rausgebracht. Das ist ein Quiz, bei dem man 10 Fragen beantworten muss. Die Frage ist immer die gleiche: in welcher Sprache wird hier das Vater-Unser gebetet? Dann hört man das Vater-Unser und bekommt vier Sprachen angeboten.
Also ehrlich, ich habe selten ein frustigeres und unsinnigeres Quiz mitgemacht als das. Ich kann auch ein paar Sprachen, aber leider nicht jeden kenianischen Dialekt und die ukrainische Variante des Russischen. Wer denkt sich sowas aus?
Es ist ja schön, dass jeder auf dieser Welt das Vater-Unser in seiner Sprache beten kann, aber dieses Quiz ist komplett sinnfrei.
Gut, dass Luther das nicht mehr erleben muss.
Man kann´s auch übertreiben.
 
Wer sich mal richtig frusten will, kann es hier:

 

Event und Auslaufmodell – die Kirchliche Trauung

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat ein kleines Materialpaket zur Kirchlichen Trauung herausgegeben.

Das gibt mir die Gelegenheit, über die Entwicklung rund um die Kirchliche Trauung nachzudenken.

Ich erinnere mich an einen Cartoon:

Ein älteres Ehepaar steht vor dem Bücherregal im Wohnzimmer und der Ehemann zeigt der Ehefrau die Traubibel. Dann sagt er: „Schau mal, Schatz, 50 Jahre sind wir jetzt verheiratet und haben nie gemerkt, dass in derTraubibel unseres Pfarrers keine einzige Seite bedruckt ist!“
In der Hand hält er eine Bibel, die mitten im Buch aufgeschlagen ist, und man sieht zwei leere Seiten.

So geht es vermutlich vielen Menschen: das Ereignis der Trauung ist noch in Erinnerung, die geistliche Grundlage gerät in Vergessenheit.

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Hätte Josef gegoogelt?

Ganz sicher!

Wenn es damals schon Google und Facebook und all die anderen Sachen gegeben hätte, hätten Maria und Josef sie benutzt.

Wie das damals ausgesehen hätte, das sieht man hier:

Es entsteht bei dieser Geburtsgeschichte immer der Eindruck, es handele sich um ein bemittleidenswertes Paar, das arm und entkräftet von Nazareth nach Bethlehem reist, um dort unter ärmlichen Verhältnissen den Retter der Welt zur Welt zu bringen.

Schaut man sich den exegetischen Befund nach Lukas und Matthäus an, dann muss man mit einer ganzen Reihe von Vorurteilen aufräumen.

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Bilder aus der Jugend

Neulich gab es auf Facebook eine schöne Rubrik.

Es sollten Bilder aus der Jugend geteilt werden.  Da gab es alte Plattencover oder Bilder aus der Disco.  Überschrieben war das alles mit dem Motto „So war meine Jugend“.

Kurze Zeit später entdecke ich an meiner alten Schule auf dem inzwischen eingerichteten Motoradparkplatz dieses Kreidler Flory. Mutterseelenallein steht es dort auf dem Parkplatz. Als ich noch dort zur Schule ging, standen da dutzende. Ich konnte nicht anders, ich musste es mir näher anschauen. Knapp 20000 Km hat das gute Teil gelaufen und dafür sah es noch wirklich gut aus. War auch ordentlich abgeschlossen mit einer dicken Kette. Wie in alten Zeiten eben. Und diese alten Zeiten wurden dann in mir wieder sehr lebendig. Hinter dem Mofa sieht man eine Strassenecke. Das war unsere Raucherecke. Denn Rauchen war auf dem Schulhof natürlich verboten.

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Josef – als Vater ein Vorbild?

Josef hatte es nicht leicht.

Schon vor seiner Heirat war seine Frau schwanger und er selbst war nicht der Vater. So berichtet die Bibel im Lukasevangelium.
Josef seinerseits entschied sich nach einem Gespräch mit einem Engel, dennoch die Vaterschaft anzuerkennen. Der Grundstein zu einer Patchworkfamilie war damit gelegt.
Gemeinsam mit Maria zog er nicht nur Jesus groß, sondern hatte mit ihr auch mehrere eigene Kinder.
Er kannte also alle Sorgen und Nöte, die heute Väter haben, wenn in der Familie Kinder sind, die nicht ihre eigenen sind.

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