Luther to go – das Lütherchen

Ich muss gestehen: als ich ihn das erste Mal im Original sah, ist mir die Luft weggeblieben. Ich wusste für einen Moment nicht, ob ich laut loslachen sollte oder mich ehrlich empören sollte.

Da stand er: in warmen Rottönen und etwas mehr als einen halben Meter groß.

Er ist eine Nachbildung des Lutherdenkmals auf dem Wittenberger Marktplatz.

Der Künstler Ottmar Hörl hat 800 solcher Miniatur-Nachbildungen geschaffen. Die meisten von ihnen sind inzwischen verkauft, versteigert oder verschenkt. Im Deutschen Bundestag steht einer, in unserer Christuskirche auch.

Man kann ihn gut unter den Arm nehmen und ihn dann dahin tragen, wo man ihn hinhaben möchte. Da steht er dann und kann nicht anders.

Das Luther-Figürchen aus Plastik ist ein Sinnbild für das ganze Reformationsjubiläum. Jeder macht mit Luther und seiner Botschaft das, was er für richtig hält.

Auf diese Weise wird Luther in der Tat zur Marke.

Nicht nur Socken, auch Bücher, Reiseprogramme und Playmobilfiguren lassen sich prima damit verkaufen. Wir stellen ihn da hin, wo wir ihn gerade brauchen, damit die Geschäfte laufen und der Rubel rollt.

Sie finden, das ist zu böse beschrieben – vielleicht.

Aber der herausfordernden Botschaft Luthers werden wir nicht dadurch gerecht, dass wir kleine Lütherchen aufstellen, die man nach Belieben unter oder auch auf den Arm nehmen kann und sie dann genau da hinstellt, wo man sie gern haben möchte.

Luther selbst hat sich nicht von irgendjemandem irgendwo hinstellen lassen. Er hatte seinen Standpunkt und hat ihn auch vertreten.

Heute wird er einfach dahin gestellt, wo er gerade im Interesse des Aufstellers nötig scheint. Und heute kann er dann auch nicht anders.

 

 

 

Über Norbert Deka

Lebt und arbeitet im Ruhrgebiet. Als Pfarrer einer Kirchengemeinde ist er täglich mit Fragen des Glaubens und des Lebens konfrontiert. Auf der Suche nach Antworten sammelt er hier seine Gedanken.

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