Josef – als Vater ein Vorbild?

Josef hatte es nicht leicht.

Schon vor seiner Heirat war seine Frau schwanger und er selbst war nicht der Vater. So berichtet die Bibel im Lukasevangelium.
Josef seinerseits entschied sich nach einem Gespräch mit einem Engel, dennoch die Vaterschaft anzuerkennen. Der Grundstein zu einer Patchworkfamilie war damit gelegt.
Gemeinsam mit Maria zog er nicht nur Jesus groß, sondern hatte mit ihr auch mehrere eigene Kinder.
Er kannte also alle Sorgen und Nöte, die heute Väter haben, wenn in der Familie Kinder sind, die nicht ihre eigenen sind.

Für die Biografie Jesu war es entscheidend, dass Josef ein Nachfahre des Königs David war. Sowohl Lukas als auch Matthäus betonen das, wenn auch auf unterschiedlche Weise. Bethlehem ist nicht nur die Vaterstadt Davids, sondern eben auch die des Josef.

Offensichtlich hat er Jesus und seine Geschwister nicht nur in den jüdischen Glauben eingeführt, sondern zumindest Jesus auch seine Fachkenntnisse im Handwerk des Zimmermanns weitergegeben. Vielleicht in der Hoffnung, er möge mal die Firma übernehmen.
Als Jesus dann anfängt, öffentlich zu wirken, wird Josef nicht mehr erwähnt. Man kann daraus schließen, dass Josef starb, bevor Jesus 30 Jahre alt war.
Zu einem modernen Vater macht ihn seine Liebe zu Maria und die Bereitschaft, das Kind eines anderen als sein eigenes Kind anzunehmen und zu erziehen.

Die Evangelische Kirche von Westfalen hat sich 2012 damit beschäftigt, was Familien ausmacht, und kam zu einer sehr offenen Definition:

„Familie ist da, wo Menschen dauerhaft und
generationenübergreifend persönlich
füreinander einstehen und Verantwortung
übernehmen.“

Hauptvorlage der Landessynode der EkvW 2012 – Familien stärken

Unter dieser Definition hätte sich auf Josef wiederfinden können.
Jesus selbst hat später sein Verhältnis zu Gott beschrieben als ein Verhältnis zwischen Vater und Sohn.
Das hätte er sicher nicht getan, wenn das Verhältnis zwischen seinem Stiefvater und ihm in irgendeiner Weise gestört gewesen wäre.
Es lassen sich auch keine Hinweise dafür finden, dass Josef Jesus in irgendeiner Weise gegenüber den anderen Geschwistern zurückgesetzt hätte.
Die Beziehung zwischen Jesus und seinem „Vater“ Josef scheint also in Ordnung gewesen zu sein.
Das spricht dafür, dass Josef ein sehr verständnisvoller und liebevoller Vater gewesen ist.
Als Vater also durchaus ein Vorbild für heutige Väter.

Über Norbert Deka

Lebt und arbeitet im Ruhrgebiet. Als Pfarrer einer Kirchengemeinde ist er täglich mit Fragen des Glaubens und des Lebens konfrontiert. Auf der Suche nach Antworten sammelt er hier seine Gedanken.

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