Haben Christen was zu lachen? Ostern sagt: ja!

Die Geschichte beginnt todernst.

Drei Frauen machen sich auf den Weg zum Friedhof. Maria Magdalena, Maria und Salome, sie haben nichts zu lachen. Wenn Familie und Freunde von einem geliebten Menschen Abschied nehmen, dann gibt es nichts zu lachen. Heute nicht und damals auch nicht.

Sie wollen Jesus nach diesem grauenvollen Tod am Kreuz seine Würde zurückgeben und ihm eine ordentliche letzte Ruhe schenken. Das Letzte, was sie für ihn tun können – so denken sie.

Gott lenkt es anders. Die Frauen kommen zum Grab und ihre größte Sorge, der Stein, ist bereits weggewälzt. Sie blicken in das offene Grab. Was sie da sehen, lässt sie erstaunen und erschrecken. Diesen Moment zeigt das Bild.

In den Tagen danach begegnen sie dem auferstandenen Jesus Christus. Sie feiern mit ihm und lachen. Ostern verwandelt ihre Trauer in Freude. Sie hatten es gut. Sie trafen den auferstandenen Christus.

Wir stehen am Grab und fragen: wie kann das gehen? Stimmt das? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Erleben wir nicht augenscheinlich, dass mit dem Tod alles vorbei ist?

Martin Luther erinnert in diesem Zusammenhang an das Besondere von Jesus Christus. Er ist nicht nur ganz Mensch, er ist auch ganz Gott, wahrer Mensch und wahrer Gott.

Der Tod kann sich deshalb noch so viel Mühe geben, er kann nicht gewinnen.

„Der Tod (…) hieb nur der Person eine Wunde, vermochte aber nicht, sie zu überwältigen: er schlug nur auf die Menschheit, aber die Gottheit konnte er nicht treffen“ sagt Luther in einer Predigt zum Ostersonntag.

Das kann man natürlich nur glauben, beweisen kann man das nicht. Aber die Ostergeschichte ist nur eine von vielen Geschichten der Bibel, die alle davon erzählen, dass Gott dem Menschen neues Leben schenkt. Der Weg des Volkes Israel aus Ägypten in die Freiheit gehört genauso dazu wie die Bewahrung einzelner Menschen in großer Gefahr.

Jedes Kind kennt den Osterhasen und die Ostereier; auch sie sind Zeichen dafür, dass Gott neues Leben schenkt: das Ei sieht von äußerlich aus wie tot – und ist doch voller Leben. Die Antike deutete den Hasen als Sinnbild von Lebenskraft, Wiedergeburt und Auferstehung.

So entstand aus der Glaubensgewissheit, dass Gott zu Ostern neues Leben schenkt, auch ein sehr schöner Osterbrauch: das Osterlachen!

Die Predigt des Ostersonntags sollte diesem Brauch zufolge so gestaltet sein, dass die Gemeinde laut lachen konnte. Die Witze dieser Predigten sollen nicht immer stubenrein gewesen sein und mancher Pfarrer muss kräftig übertrieben haben. Weshalb Martin Luther von diesem Brauch auch nicht viel hielt. Aber wer wollte bestreiten, dass es heute in der Kirche und im Gottesdienst eindeutig zu wenig zu lachen gibt.

Und wenn wir im Ostergottesdienst das alte Osterlied „Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit…“ anstimmen, dann wäre doch schön, man würde diese Fröhlichkeit nicht nur singen, sondern den Menschen auch ansehen.

Wenn wir einander „Frohe Ostern!“ wünschen, dann meint dieser Wunsch schließlich genau das: ich wünsche dir, dass du dich darüber freuen kannst, dass Jesus Christus auferstanden ist. Das Leben hat den Tod besiegt.

Diese Osterfreude wäre ja auch zu unterscheiden von dem Osterspaß, den manche in den Osterferien haben. Frei nach dem Motto einer Elektromarktkette: „Hauptsache, ihr habt Spaß!“

Gott will uns nicht bespaßen. Spaß – das wäre ja Freude ohne Sinn.

Die Frauen am Grab, von denen oben die Rede war, hatten keinen Spaß. Aber sie empfanden die Freude darüber, dass Gott etwas verwandelt hat, das sie für unveränderlich hielten. Diese Osterfreude hat alle angesteckt. Die Jünger damals und auch uns heute.

So gesehen, wäre es ja schön, wenn wir diese Freude nicht nur zu Ostern empfinden.

Martin Luther sagt uns das so: „Bei uns ist alle Tage Ostern, nur, dass man einmal im Jahr Ostern feiert.“

In diesem Sinne

Frohe Ostern

 

 

 

 

 

 

 

 

Über Norbert Deka

Lebt und arbeitet im Ruhrgebiet. Als Pfarrer einer Kirchengemeinde ist er täglich mit Fragen des Glaubens und des Lebens konfrontiert. Auf der Suche nach Antworten sammelt er hier seine Gedanken.

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