Evangelische Orte und die Biografie

Was haben die Luther-Schule, die Christus-Kirche und das Bonhoeffer-Haus gemeinsam?

Richtig: alle liegen in Gladbeck. Jedenfalls die, von denen ich hier rede.

Was noch:

Richtig: alle sind oder waren in evangelischer Trägerschaft.

Was noch:

Richtig: in all diesen Gebäuden habe ich mehrere Jahre meines Lebens verbracht. Jahre, die mich sehr geprägt haben.

Neulich war ich in Zingst an der Ostsee im Urlaub.

Durch Zufall entdeckte ich, dass es auch der Ort war, in dem Dietrich Bonhoeffer mit dem Predigerseminar der Bekennenden Kirche im Sommer 1935 zu Gast war. Von dort waren sie dann nach Finkenwalde weitergezogen.

Die Wege Bonhoeffers und meine Wege haben sich bereits mehrfach gekreuzt. Zum Beispiel bei einem Urlaub in der Nähe von Flossenbürg, seinem Todesort. Oder in London, wo er in einer der zwei deutschen evangelischen Gemeinden im Oster der Stadt 1935 – 1937 Auslandspfarrer war. Und eben auch in meiner Jugendzeit im Bonhoeffer-Haus meiner evangelischen Heimatgemeinde in Gladbeck. Dort ist er nie gewesen, aber die Gemeinde fühlte sich seinen Gedanken verpflichtet.

DieTage des Bonhoeffer-Hauses sind inzwischen gezählt. Ich erfuhr aus der Zeitung, dass es dem Neubau eines evangelischen Kindergartens weichen soll.

Aber ich denke gern an die Zeit zurück, die ich dort verbrachte. Viele Jahre fand dort jeden Samstag die Jugendgruppe statt, der ich angehörte. Sonntag für Sonntag bin ich als Kindergottesdiensthelfer hier in einem Kellerraum mit einer Gruppe Kindergottesdienstbesucher gewesen und habe unter der Woche mit Sabine eine eigene Kindergruppe gehabt, mit der wir gebastelt und gespielt haben.

Auf der Bühne des Bonhoeffer-Hauses habe ich mit anderen aus unserer Laienspielgruppe kritische Stücke über die Konfirmation aufgeführt und bei einem Konzert zur Erinnerung an die Gräueltaten des Nazi-Reiches mitgewirkt.

Hier wurde der Abschluss so mancher Demonstration gefeiert und auch ganz banale Dinge. Mein Abi-Ball hat hier stattgefunden und den Nikolaus habe ich bei der Weihnachtsfeier des Arbeitervereins hier auch schon gespielt.

Wenn ich in meine Biografie schaue, finde ich eine ganze Reihe solcher Orte, die zu meinem evangelischen Lebenswandel gehören.

In die Luther-Schule bin ich ab 1970 gegangen und an den Religionsunterricht bei Frau Weiland und Frau Schröter kann ich mich noch gut erinnern. Mit dem Namensgeber der Schule konnte ich damals noch nicht viel anfangen. Aber als ich gut 8 Jahre später in der Christuskirche konfirmiert wurde, hatte ich eine Ahnung davon, was es heißt, in einer lutherischen Gemeinde zu leben.

Streng und langweilig kam mir damals die Kirche vor, obwohl mein Konfirmator Pfarrer Heienbrock ein feiner Mensch war und sich sichtlich Mühe gab, uns „zu unterweisen“. Für mich war mit der Konfirmation die Kirche erst einmal zu Ende und mein Leben wäre sicherlich anders verlaufen, hätte mich nicht zwei Jahre später jemand wieder zurück in diese Kirche geholt, dieses Mal, um mit der Laienspielgruppe das Krippenspiel dort aufzuführen.

Von da an bin ich geblieben und als ich 1983 ging, wollte ich Pfarrer werden.

Christus, Luther und Bonhoeffer waren nicht die schlechtesten Wegbereiter für meinen Glauben und mich persönlich, auch wenn ich ihren Einfluss nicht auf Anhieb gespürt habe, sondern erst mit den Jahren entdeckt habe.

Wer weiß? Wenn das Bonhoeffer-Haus nun einer Kindertagesstätte weicht, vielleicht bleibt sein Geist ja dort doch lebendig und belebt noch viele junge Menschen, so wie ich einst dort belebt worden bin.

Wie geht es Ihnen damit? Haben auch Sie in Ihrem Leben solche Orte, die christliche Namen tragen? Haben sie Sie geprägt? Und wenn ja, wie?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

 

 

Über Norbert Deka

Lebt und arbeitet im Ruhrgebiet. Als Pfarrer einer Kirchengemeinde ist er täglich mit Fragen des Glaubens und des Lebens konfrontiert. Auf der Suche nach Antworten sammelt er hier seine Gedanken.

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