Bilder aus der Jugend

Neulich gab es auf Facebook eine schöne Rubrik.

Es sollten Bilder aus der Jugend geteilt werden.  Da gab es alte Plattencover oder Bilder aus der Disco.  Überschrieben war das alles mit dem Motto „So war meine Jugend“.

Kurze Zeit später entdecke ich an meiner alten Schule auf dem inzwischen eingerichteten Motoradparkplatz dieses Kreidler Flory. Mutterseelenallein steht es dort auf dem Parkplatz. Als ich noch dort zur Schule ging, standen da dutzende. Ich konnte nicht anders, ich musste es mir näher anschauen. Knapp 20000 Km hat das gute Teil gelaufen und dafür sah es noch wirklich gut aus. War auch ordentlich abgeschlossen mit einer dicken Kette. Wie in alten Zeiten eben. Und diese alten Zeiten wurden dann in mir wieder sehr lebendig. Hinter dem Mofa sieht man eine Strassenecke. Das war unsere Raucherecke. Denn Rauchen war auf dem Schulhof natürlich verboten.

Und da sah ich sie alle wieder stehen: Hüchte und Tom, Benne und Hannes. Und wie sie alle hießen. Ich hörte sie reden. Über den Streß mit der Freundin und das Glück bei der letzten Mathehausaufgabe. Über die nächste Party und den Suff von gestern. Roch den Rauch der Selbstgedrehten und spürte den Stoff der Jeansjacke. Als ich auf dieser Schule war, war an dieser Ecke jede Menge Leben. Jetzt stand da dieses Mofa und nahm mich mit in diese Zeit.

Es war nur ein kurzer Moment. Vielleicht eine, zwei Minuten. Und trotzdem war in mir eine ganze Welt für einen Augenblick zuürckgekehrt.  Ich genieße es, dass mich Dinge wie dieses Mofa auch heute noch mitnehmen können in ihre Zeit. Schön, dass in mir so viel Leben gespeichert ist, auch wenn ich es nicht immer präsent habe.

Auch mit alten Büchern geht mir das so. Wenn ich im Antiquariat theologische Bücher finde, die ich mal gelesen habe. Dann ist auch diese Zeit wieder sehr lebendig in mir.

Mit der Bibel geht mir das auch so. Nur dass es hier nicht die ganze Bibel ist, die mich in Zeiten mitnimmt, sondern einzelne Bücher. So wie die Weihnachtsgeschichte mit frühesten Erlebnissen der Kindheit verbunden ist, so ist das Lukasevangelium mit meinem Studium in Münster verbunden. Mit der Erinnerung an ganz bestimmte Menschen und ganz bestimmte Ereignisse und – komischerweise – auch Gerüche und Düfte.

Der Prophet Micha nimmt mich mit nach Berlin und Paulus treffe ich in Bochum. Wunderbar, soviele Stufen zurück in mein früheres Leben zu haben und gelegentlich betreten zu können.

Manchmal ganz unvermittelt, wie eben ausgelöst durch das kleine Mofa.

 

Über Norbert Deka

Lebt und arbeitet im Ruhrgebiet. Als Pfarrer einer Kirchengemeinde ist er täglich mit Fragen des Glaubens und des Lebens konfrontiert. Auf der Suche nach Antworten sammelt er hier seine Gedanken.

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